Home  | Impressum | Sitemap | KIT

Das Institut für Geschichte am Karlsruher Institut für Technologie

Das Institut für Geschichte/Technikgeschichte richtet sich im Rahmen des Studiengangs EUKLID am KIT neu aus und konzentriert sich künftig in Forschung und Lehre auf die Geschichte der industriellen Welt von 1750 bis heute.

Im Zentrum steht eine kontextualisierte Technikgeschichte, die eng mit der Neuen und Neuesten Geschichte verzahnt ist, sozial-, mentalitäts- und kulturgeschichtliche Ansätze einbezieht und europageschichtlich orientiert ist. Wir entwickeln somit ein Studium, das über die traditionellen Epochen- und Disziplingrenzen hinaus einen Überblick zur Problemgeschichte der Technik, des Technischen und der Techniker bietet und die medialen Bedingungen von historischen Technikdiskursen berücksichtigt. Durch inzwischen jahrzehntelange Erfahrung in Forschung, Lehre, musealer Präsentation von Technik, öffentlichen Vorträgen etc. bieten wir technikgeschichtliche Lehrveranstaltungen für alle Fächer, naturgemäß v.a. für technische und naturwissenschaftliche Fächer, am KIT.

Die Forschungsschwerpunkte der Mitarbeiter(auch bei Masterarbeiten und Dissertationen) unseres Instituts gelten der Geschichte der industriellen Welt, insbesondere einer objektorientierten, museal sich präsentierenden Geschichte mit berufspraktischer Anwendbarkeit; der kontextualisierten Mobilitätsgeschichte; der Umwelt- und Energiegeschichte, der Alltags- sowie Mentalitätsgeschichte der Technik.

Historisches

Das Fach Geschichte war, als es 1825 sogleich mit Gründung der damaligen Polytechnischen Schule begründet wurde, zunächst wenig mehr als Teil des Unterrichtskanons für die Oberklassen der lokalen Realschule, die man der neuen Einrichtung inkorporiert hatte. Allmählich etablierten sich Geschichte wie auch Literatur als "allgemeinbildende Ergänzungsfächer" im Ausbildungskanon künftiger Ingenieure, wobei das Fehlen geschichtswissenschaftlicher Inhalte mehr und mehr als Manko empfunden wurde.

Die Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für Geschichte und Literatur erfolgte 1860 und war nicht zuletzt vom badischen Großherzog Friedrich I. gefördert worden. 1861 wurde der liberale Historiker und Publizist Hermann Baumgarten berufen, der bis 1872 sehr erfolgreich amtierte und auch das Karlsruher Bildungsbürgertum in seine Vorlesungen lockte. Als Baumgartens Nachfolger lehrten 1872-1877 David Müller, 1878-1885 Adam Pfaff und schließlich 1885-1919 Arthur Boehtlingk. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Trennung der bisherigen Fächerkombination vollzogen; 1919 bis 1922 fungierte der Heidelberger Hermann Wätjen als erster Geschichtsordinarius. Ihm folgte der eigens habilitierte Gymnasiallehrer Franz Schnabel (1887-1966), Verfasser der "Deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert".

Schnabel sah seine Aufgabe als Historiker nicht nur in der Vermittlung von Geschichtswissen an Techniker und Ingenieure, sondern umgekehrt auch in der Bewußtmachung des Einflusses von Technik und technischem Wandel auf Geschichte und Gesellschaft. 1936 entließ ihn der NS-Kultusminister: vordergründig, weil das Fach entbehrlich, tatsächlich, weil Schnabel politisch nicht genehm war. 1945 ernannte ihn die amerikanische Besatzungsmacht zum Ressortleiter der Abteilung Kultus und quasi "Kultusminister" in Nordbaden, in welcher Eigenschaft Schnabel für den Wiederaufbau der Schulen und Universitäten zuständig war. Bis zu seinem Weggang nach München 1947 hielt er zudem Vorlesungen an der Fridericiana.

1951-1962 lehrte Walther Peter Fuchs in Karlsruhe, sodann bis 1967 Thomas Nipperdey. 1969 konnte mit Walter Bußmann ein weiterer renommierter Historiker an die inzwischen zur Universität avancierte TH berufen werden. In die Amtszeit von Bußmanns Nachfolger Rudolf Lill (1983-2000) fielen zwei zukunftsträchtige Weiterungen des Instituts. Dies war zum einen die Einrichtung der Technikgeschichte unter Rolf-Jürgen Gleitsmann-Topp 1990, sodann 1992 die Gründung der 'Forschungsstelle Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten', zunächst unter der Geschäftsführung von Michael Kißener, später unter Rolf-Ulrich Kunze.

Von 2001 bis zu seiner Versetzung an die Universität Mannheim 2007 lehrte Prof. Dr. Peter Steinbach am Institut. Ebenfalls 2007 wurde der wissenschaftliche Beirat der Forschungsstelle 'Widerstand' aufgelöst und die Forschungsstelle an die Universität Mannheim verlagert.