In den 1960er Jahren prognostizierten Sozialwissenschaftler das Ende der modernen Industriegesellschaft. Technologische Innovationen führten zu einer Kommunikationsrevolution, in deren Folge Informationsvermittlung und wissensbasierte Berufe der postindustriellen Gesellschaft ihren Stempel aufdrückten. Im Windschatten dieser Diagnosen entwickelten sich „Wissens- und Informationsgesellschaft“ zu neuen Selbstbeschreibungskategorien, mit denen seit den 1980er Jahren Reformen in Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik sowie zuletzt der Ausbau der digitalen Infrastruktur vorangetrieben wurden. Die Kategorien dienten wahlweise als verheißungsvolle Zukunftsvision einer offenen Gesellschaft oder als mahnender Appell, der bereits fortgeschrittene Strukturwandels erfordere umfassende Anpassungsleistungen von Staat und Gesellschaft, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Projekt fragt danach, wie sich unter den Bedingungen der Informationsgesellschaft Arbeit veränderte. Hat Kopfarbeit die industrielle Handarbeit wirklich verdrängt? Gibt es neue Formen der Kopfarbeit, die sich von früheren Formen der geistigen Arbeit unterscheiden?
Gemeinsam mit Franziska Rehlinghaus und Knud Andresen sowie in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Böckler-Stiftung organisierte Désirée Schauz im November 2025 in Düsseldorf eine Tagung zu „Kopfarbeit – Sozial und kulturgeschichtliche Blicke auf die „andere Seite“ der Arbeit im 19. Jahrhundert“ (Link zum Tagungsbericht: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-161067)